Psychisch krank in Stadt und Land  Diakonie logo

Das diesjährige Thema der Woche der Diakonie „Stadt – Land – Schluss“ fordert uns auf, uns mit den möglichen Unterschieden der diakonischen Versorgung in städtischen und ländlichen Regionen auseinanderzusetzen. Macht es einen Unterschied, wo ich lebe, wenn ich psychisch krank bin?
Funktioniert die Nachbarschaftshilfe auf dem Land tatsächlich besser oder droht hier im Gegenteil eher die Ausgrenzung, wenn man sich von den üblichen Lebensmustern abhebt? Toleriert die buntere und anonymere Stadtgesellschaft ungewöhnliche Lebensweisen eher? Wem fällt es hier auf, wenn ich Hilfe benötige aber nicht in der Lage bin, diese selbst zu suchen? Wie sieht es aus mit der psychiatrischen Versorgung auf dem Land? Und gibt es dort genügend Beschäftigungsmöglichkeiten für mich, wenn ich nur eingeschränkt leistungsfähig und ohne Auto bin?
Was die Wohnvorlieben angeht, unterscheiden sich psychisch kranke Menschen nicht vom Rest der Bevölkerung. Während der eine froh ist, dass die Nachbarn Bescheid wissen und sich besorgt zeigen und kümmern, liebt der andere die relative Anonymität der Stadt und möchte keinen näheren Kontakt zu den Nachbarn und schon gar nicht, dass sie über seine psychische Erkrankung Bescheid wissen. Während dem einen Natur und Ruhe gut tun, braucht der andere den täglichen quirligen städtischen Alltag um sich herum.
Kaum jemand wird bestreiten, dass psychisch kranke Menschen unabhängig von ihrem Wohn-ort die Hilfen erhalten sollten, die sie benötigen. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, stellt man erfreut fest, dass sich hier einiges geändert hat. Gab es traditionell schon immer die Fahrtdienste zu den Werkstätten, der Tagesstätte und der Tagesklinik und die Möglichkeit zu Hause vom Sozialpsychiatrischen Dienst aufgesucht zu werden und eine Ambulante Wohnbetreuung zu erhalten, so werden nun auch verstärkt Pflegeleistungen über die Krankenkassen und die Pflegeversicherung für psychisch kranke Menschen angeboten. Trotzdem gibt es im städtischen Raum wesentlich mehr Hilfsangebote. Dort befinden sich die Facharztpraxen, die Psychotherapeuten und die geschützten Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeiten.
Alle Gesetzesänderungen der letzten Jahre zielen darauf ab, die Integration und die Erreichbarkeit der Hilfen für psychisch kranke und behinderte Menschen zu verbessern und Diskriminierungen zu verhindern. Aber Gesetz und Alltag sind eben zwei verschiedene Dinge und wenn es darum geht, die gesetzlichen Möglichkeiten mit Leben zu füllen und um sie vor Ort Wirklichkeit werden zu lassen, sind wir alle gefordert.
Daher müssen wir zum einen für die Erreichbarkeit aller Hilfen sorgen, damit psychisch kranke Menschen in der Lage sind, auf dem Lande zu wohnen und trotzdem gut versorgt zu sein. Dazu gehört eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs sowohl im Streckennetz als auch in der Preisgestaltung. Es braucht aber auch noch mehr Hilfen dort, wo die Menschen leben: Nicht nur Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit geringerer Belastungsfähigkeit, sondern auch Vermieter, die günstigen Wohnraum anbieten und Nachbarn, die wissen, dass psychische Erkrankungen ebenso zum Leben gehören wie körperliche Erkrankungen und die keine Scheu vor Kontakten mit psychisch kranken Menschen haben. Wagen Sie Begegnung, wo Begegnung gewünscht ist und tolerieren Sie Anderssein - es ist eine Bereicherung!
Hanna Kossen-Eilders
Ev.-ref. Diakonisches Werk

Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns über Kommentare zu diesem Artikel! Bitte senden Sie uns Ihre Nachricht per WhatsApp oder SMS unter 0177-7110446.

Monatsspruch

Mai:
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
(Hebr 11,1)
jahreslosung.

Information

Die Gruppen und Kreise so wie auch die Einrichtungen sind für die Richtigkeit ihrer Informationen selbst verantwortlich.
Der Admin