2019.05. europawahl

Was uns Europa heute bedeutet

Wort des Moderamens der Gesamtsynode für die Evangelisch-reformierte Kirche
aus Anlass der Europawahlen vom 23. – 26. Mai 2019

1. Europas Einheit in Vielfalt bewahren

Die europäische Einheit in der Vielfalt der Länder, Kulturen und Konfessionen verdankt sich wesentlich auch ihren jüdisch-christlichen Wurzeln. Darum treten wir als Evangelisch-reformierte Kirche ein für die Erhaltung dieser pluralen Gemeinschaft und für die Gleichbe-rechtigung von Minderheiten. Wir widerstehen dem Antisemitismus als einer beklagenswerten Urform der Fremdenfeindlichkeit. Wir widersprechen aber auch pauschalen Affekten und Unterstellungen gegen „die Muslime“ oder „den Islam“. Wir setzen uns ein für ein respektvolles Miteinander zwischen Menschen unterschiedlicher Religion und Weltanschauung. Das schließt beides ein: Dass wir im Gespräch mit anderen zu unserem christlichen Glauben stehen. Und dass wir für einen menschenwürdigen Umgang untereinander sorgen.

2. Europa als Solidargemeinschaft weiterentwickeln

Die reformierte Konfession war bereits in ihren Ursprüngen nicht national oder territorial beschränkt, sondern europäisch. Sie lebt heute in versöhnter Verschiedenheit mit anderen Konfessionen in Europa zusammen. Als Evangelisch-reformierte Kirche widersprechen wir Engführungen des kirchlichen Auftrags, als gäbe es vor Gott irgendeine Rangfolge von Konfessionen oder Nationen. Stattdessen haben wir in Europa nach dem Irrsinn der beiden Weltkriege erfahren, dass Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten Ländern gelingen kann. Wir treten den Polarisierungen in unserem Land und in Europa entgegen und wollen die Verbundenheit untereinander festigen. Die Idee eines geeinten Europa wird sich bewähren, wenn wir der Nächstenliebe eine soziale Gestalt geben. Und was die Reformbedürftigkeit der europäischen Institutionen angeht, gilt: Nur wer demokratisch mitgestaltet, kann zum Besseren verändern.

3. Europas Errungenschaften mit anderen teilen

Die Errungenschaften Europas sollen auch in unserem Miteinander mit anderen Ländern und Kontinenten leitend sein. Auch im Interesse der europäischen Stabilität sind wir mitverantwortlich für eine friedensförderliche und rechtsstaatliche Entwicklung der Länder und Kontinente in unserer Nachbarschaft: in Osteuropa und Russland, im Nahen und Mittleren Osten und nicht zuletzt auch in den Ländern Afrikas. Europa soll im globalen Miteinander als ein Kontinent wirken, der sich Freiheit und Rechtsstaatlichkeit auf friedlichem Weg erkämpft hat und einen Beitrag zum Frieden in der Welt leistet. Als wirtschaftlich starker Kontinent muss Europa nach innen und nach außen mehr Gerechtigkeit schaffen. Weltweit soll unser Kontinent dafür eintreten, dass die Stärke des Rechts zählt – und nicht das Recht des Stärkeren. Dem Leiden und Sterben tausender Flüchtlinge an den Grenzen Europas und im Mittelmeer dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Nicht länger sollen wir Heutigen auf Kosten der nachfolgenden Generationen leben. Sondern auf einen Weg umkehren, auf dem die Ressourcen der Erde für ihre künftigen Bewohner bewahrt werden.
(Verabschiedet am 7. Mai 2019)

Monatsspruch

Mai
Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.
(2 Sam 7,22)
jahreslosung 19.

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