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Katar - eine Fußballweltmeisterschaft im Advent

Es war der 17. Juni 1970. Fußballweltmeisterschaft in Mexiko. Deutschland hatte England geschlagen und stand im Halbfinale. Es folgte das „Jahrhundert-spiel“ gegen Italien, das die Deutschen 3:4 verloren. Es war die erste WM, die ich am Fernsehen gesehen habe. Spiele spätabends, zum Teil bis nach Mitternacht. Ich war 11 Jahre alt, mein Vater hatte mich geweckt und ich durfte zusammen mit ihm Fußball gucken. Wir beide vor dem Fernseher. Großartig!

Spätestens mit diesem Spiel, das als eines der dramatischsten der Fußballgeschichte gilt, wurde ich zum Fußballfan. Habe kein Spiel der Deutschen bei einer WM mehr verpasst. Habe mitgefiebert und mich im Jahr der Weltmeisterschaften auf die Spiele gefreut. Aber dieses Mal?

Advent ist für mich eine Zeit der freudigen Erwartung, Adventsmärkte mit Glühwein, Adventsgestecke mit Kerzen. Leuchtende Kinderaugen, Gemeinschaft und eine Stimmung geprägt von Spannung und Freude. Weihnachten steht vor der Tür. Und jetzt eine Fußballweltmeisterschaft in der Adventszeit. Ja, so haben es einige FIFA-Funktionäre geplant.

Mehr noch aber ist mir der Austragungsort ein Dorn im Auge, Katar. Eines der reichsten Länder der Welt. Seine Wirtschaft und damit sein Wohlstand hängen entscheidend von den mehr als zwei Millionen Arbeitsmigrant*innen ab, die dort leben. Die Arbeitsbedingungen entsprechen denen der Zwangsarbeit. „Grund-lage der Ausbeutung war jahrelang das Vormundschaftssystem Kafala: Arbeitgeber*innen üben dabei eine große Kontrolle über die Arbeitsmigrant*innen aus. Sie dürfen ohne die Zustimmung ihrer Arbeitgeber*innen nicht kündigen, den Job nicht wechseln oder das Land verlassen. Oft müssen sie ihren Pass bei Beginn des Arbeitsverhältnisses abgeben. So können sich Arbeiter*innen kaum gegen Ausbeutung, Missbrauch oder Misshandlung wehren.“ (Amnesty International)

Diese Arbeitsmigrant*innen haben die klimatisierten Stadien gebaut, in denen die Nationen der Welt Fußball spielen. Sie arbeiteten bis zur völligen Erschöpfung. Monatelang bekamen viele keinen Lohn, eine unbekannte Zahl von Menschen fand auf den zahlreichen Baustellen den Tod.

2022.11. WMDie FIFA wird mindestens 6 Milliarden USDollar an der WM verdienen. Katar selbst gibt mehr als 200 Milliarden USDollar für die WM aus. Werden die Arbeiter*innen entschädigt? Ich wünsche es mir sehr. Und ich wünsche mir, dass zukünftig die Einhaltung der Menschenrechte eines austragenden Landes als Vergabekriterium eine entscheidende Rolle spielt.

Nun hat die FIFA auch die „One Love“-Kapitänsbinde als Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt verboten. Wer sie dennoch trägt, wird bestraft. Und der Deutsche Fußballbund knickt ein. Hat Sorge, dass die deutsche Mannschaft mit gelben Karten sportlich benachteiligt wird. Ich lerne: Der Erfolg bei einer WM ist wichtiger als ein klares Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus, für Frauen- und Menschenrechte.

Noch nie hatte ich so wenig Lust, mir die Spiele, auch der deutschen Mannschaft, anzuschauen. Und die Freude vergangener Jahre - die ist längst verflogen.

Lütger Voget

 

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