Coronapandemie und ihre "Querdenker"

Wie die Gräueltaten der Nazis relativiert werden
Die Coronapandemie verlangt uns vieles ab. Einschränkungen, wie wir sie nie kannten, bestimmen derzeit unser Leben. Nicht alle können dem folgen, ist die Freiheit seit 1945 doch ein hohes Gut in unserem Land. Und da unser Land ein demokratischer Rechtsstaat ist, ist es auch möglich, gegen die Maßnahmen zu demonstrieren. Das ist gut so. Ob die Inhalte allerdings richtig sind, steht auf einem anderen Blatt.
Eine Entwicklung dieser Demonstrationen jedoch halte ich für infam und gefährlich: Der Vergleich mit dem Nationalsozialismus und seinen Opfern.
Am 27. Januar eines jeden Jahres wird der Opfer gedacht. Und wie bitter nötig das ist, zeigen Vergleiche von jungen und älteren Menschen der Querdenkerbewegung, die sich fühlen wie Sophie Scholl oder Anne Frank im Dritten Reich. Auf den Demonstrationen werden gelbe Sterne mit der Inschrift „Impfen macht frei“ getragen. Andere nennen das Infektionsschutzgesetz „Ermächtigungsgesetz“. Durch diese Aussagen von einigen Querdenkern bekommt man den Eindruck, „Maske tragen ist wie vergast zu werden“, kritisierte Sarah Bosetti, Autorin und Satirikerin aus Aachen.
2020.12 anne frankIm November letzten Jahres wurde eine Elfjährige von ihren Eltern auf die Bühne einer Querdenkendemo gestellt. Sie erzählte, dass sie ihren Geburtstag wegen der Coronaauflagen nur heimlich und leise feiern durfte, um nicht erwischt zu werden, und sie sich deshalb wie Anne Frank gefühlt habe.
Gedanken einer Elfjährigen? Wohl kaum. Setzen wir den Gedanken doch einmal fort. Wenn dieses Mädchen wie Anne Frank ist, dann müssten die Eltern mit ihrem Kind komplett untertauchen, wenn sie dreizehn ist, um nicht deportiert und ermordet zu werden. Die Familie lebt dann zu acht in einer kleinen Wohnung eingesperrt. Die Tochter darf nicht laut sein und das Haus nicht verlassen. Kurz nach ihrem fünfzehnten Geburtstag wird die Familie verraten, die Tochter wird für immer von ihren Eltern getrennt. Sie kommt mit ihrer Schwester nach Ausschwitz. Da sie schon fünfzehn ist, darf sie noch ein halbes Jahr leben. Bei der Ankunft wird sie ausgezogen, rasiert und kriegt eine Nummer eintätowiert. Sie siecht dahin, sie infiziert sich mit Krätze, sie verliert ihre Schwester, die ein paar Tage vor ihr stirbt, dann stirbt auch sie. Zwei Monate, bevor sie befreit worden wäre. Begraben wird sie in einem Massengrab, ihr Todesdatum wird nicht mehr notiert.
Sarah Bosetti wendet sich an die Eltern der Elfjährigen und andere, die ähnliche Vergleiche ziehen: „So sähe das Leben eurer Tochter aus, wenn sie Anne Frank wäre. Sie ist aber nicht Anne Frank. Sie ist ein elfjähriges Mädchen in einem der momentan reichsten und sichersten Länder der Welt, das mit etwas besseren Vorbildern bestimmt begreifen würde, dass niemand sterben sollte, damit sie ihre Geburt feiern kann“.
Gut, dass wir Erinnerungstage wie den 27. Januar haben. Wir brauchen sie. Solange die Gräueltaten der Nazis derart relativiert werden, mehr denn je.
Lütger Voget

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