Abwarten und Tee trinken - aber welchen?

Ich trinke gerne Tee. Und bin da auch recht wählerisch. Ich habe gelernt, dass es nicht nur um die Geschmacksrichtung geht. Sondern auch darum, wo der Tee herkommt und was der wahre Preis für meinen Teegenuss ist.
Unser Tee kommt heute überwiegend aus China, Indien, Sri Lanka, Kenia und Vietnam. Aus Ländern also, in denen Sozial- und Umweltstandards vergleichsweise niedrig sind oder die Einhaltung wenig kontrolliert wird. Der Teemarkt wird dabei von einigen wenigen Großkonzernen dominiert, insbesondere Unilever, der Tata Group und Associated British Foods. Wir kennen das. Ähnlich läuft das bei den großen deutschen Handelsketten bei Fleisch und Milch hier: Die Unternehmen haben viel Macht, um ihre Preise und bei Tee dann auch die Produktionsbedingungen durchzusetzen.
Auf den Teeplantagen werden Gewerkschaften und Betriebsräte oft behindert, so eine Studie des katholischen Hilfswerks Misereor. Man weiß von Diskriminierung und Missbräuchen jeder Art auf den Plantagen. Löhne, von denen die Menschen leben können, gibt es in der Teebranche kaum. Oft liegen sie unter dem Mindestlohn, in manchen Regionen unter zwei Euro am Tag.
2020.12. fairer handelZwar gibt es auf den Teeplantagen oft Leistungen, die Plantagenbetriebe mit ihren Angestellten vereinbaren, etwa medizinische Versorgung, Unterkunft und Nahrung. Doch diese werden häufig vom Lohn abgezogen, so dass kaum Geld zum Leben übrigbleibt. Und die Unterkünfte sind z. T. kaum zumutbar.
Hinzu kommt die katastrophale Ernährungssituation von Teeplantagenarbeiter*innen. Diese ist auch eine Folge davon, dass unter verschiedenen Vorwänden Arbeitslöhne einbehalten werden. Viele Angestellte auf Teeplantagen sind demnach unter- oder mangelernährt, ein alarmierend großer Anteil ihrer Kinder körperlich unterentwickelt.
Da die großen Teeplantagen viel abwerfen sollen, wird rund ums Jahr geerntet. Zur Schädlingsbekämpfung und Ertragsoptimierung lassen die Verantwortlichen reichlich Pestizide versprühen. Unter den Chemikalien leiden Böden, Wasser, Biodiversität und die Gesundheit der Plantagenarbeiter*innen. Und: Reste davon bekommen auch wir in Europa zu schmecken: In Teeproben finden Testinstitute regelmäßig hohe Pestizidbelastungen. Greenpeace India etwa fand 2014 in 94 Prozent der untersuchten Teeproben Rückstände von mindestens einem Pestizid, in 60 Prozent sogar mehr als zehn verschiedene Pestizide.
Haben wir eine Wahl? Ja, haben wir. Mit unserer Kaufentscheidung. Indem wir auf Produkte aus fairem Handel achten. Als Fairer Handel wird ein kontrollierter Handel bezeichnet, bei dem die Erzeuger für ihre Produkte einen Mindestpreis erhalten, der von einer Fair-Trade-Organisation bestimmt wird. Diese Waren liegen mittlerweile in den Regalen vieler Supermärkte und Discounter.
Lütger Voget
(siehe auch „Utopia Newsletter“, Ratgeber rund um nachhaltiges Leben)

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