Stand 04.08.2014

„Recht" und „Gesetz" oder „Menschenrecht" und „Menschenwürde"

Seit März dieses Jahres lebt nun Familie Bojkovic / Osmani in einer der Wohnungen am Wellkamp. Sie beginnen langsam, sich ein Heim zu schaffen, die Kinder gehen gerne und ohne Angst zur Schule. Der Mann ist Anstreicher und Dekorateur und würde schrecklich gerne arbeiten – wenn die gesetzlichen Bestimmungen es nicht untersagten. Frau Bojkovic ist depressiv, leidet unter Schlaflosigkeit, sie ist schwer traumatisiert nach ihren bisherigen Erfahrungen als Roma-Frau im Kosovo und später in Serbien.
Anfang Juli bekamen sie Nachricht vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dass ihr Asylantrag als „offensichtlich unbegründet" abgelehnt wurde. Nach Rücksprache mit der Migrationsberatung der Diakonie in Nordhorn und auch einem Fachanwalt für Flüchtlingsrechte hat sich die Familie entschlossen, eine „freiwillige Rückkehr" nach Serbien zu betreiben, hauptsächlich aus der Angst heraus, sonst des nachts mit Polizeigewalt aus der Wohnung geholt zu werden. Wir bemühen uns nun gemeinsam, alle notwendigen Reise- und Ausweispapiere zu besorgen. Die Kontakte zum serbischen Generalkonsulat und die briefliche Kontaktaufnahme mit für Bürger des Kosovo zuständigen Behörden in Serbien sind anstrengend, unergiebig und weiter deprimierend.
Die Familie als Angehörige der Volksgruppe der Roma lebte im Kosovo und auch in Serbien in unbeschreiblich primitiven Verhältnissen. Der Mann ist Diabetiker und kam nur sporadisch an Insulin, die Frau hat größte Schlafprobleme, die Kinder waren teils an Hepatitis erkrankt und alle vier total verängstigt. Angehörige der Roma sind in beinahe allen osteuropäischen Ländern „Menschen zweiter Klasse"; was ich über in Serbien lebende Roma gehört und gelesen habe, erschüttert mich sehr. Aber Serbien gehört nach Beschluss des Bundestages zu den „sicheren Herkunftsländern". Ich habe noch die ganz winzige Hoffnung, dass der Bundesrat nach der Sommerpause anders abstimmt – Osmanis wären so erleichtert und froh, doch hier bleiben zu dürfen und wären gewiss sehr bereit, sich gut einzuleben, zu „integrieren" mit allen ihren Kräften.
In der Europäischen Menschenrechtskonvention steht irgendwo im 4. Protokoll, „jedem Menschen steht es frei, seinen Wohnsitz zu wählen – in seinem Heimatland, oder dieses zu verlassen".
Manchmal denke ich schon, dass Menschenrechte hauptsächlich für Touristen gelten, oder für gut ausgebildetes Fachpersonal, welches uns hier sonst fehlte.
Und dann „tanke" ich doch immer wieder Hoffnung, vielleicht sonntags mit dem Lied:
Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst.
Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.

Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst.
Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.

Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst.
Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

Schalom & Salam, uns hier und der ganzen Welt!
Jutta Külkens

Monatsspruch

Oktober
Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!
(Tob 4,8)
jahreslosung 19.

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