Stand 08.10.2014

Elend an unseren Grenzen

Zur Zeit frage ich mich jeden Abend, womit ich es eigentlich verdient habe, in diesem reichen und sicheren Staat zu leben! Durch all die Geschichten und kleinen Erlebnisse die ich mit den jetzt hier lebenden Flüchtlingsfamilien erfahre, wird mir immer stärker bewusst, wie privilegiert ich doch bin! Ich erlebe die Krankenversicherung als etwas Selbstverständliches, meckere höchstens mal über Leistungsausschlüsse .....
Dabei erlebe ich bei einer seit Kurzem am Romberg lebenden Flüchtlingsfamilie, einem Ehepaar mit 6 mit ihnen lebenden Kindern, wie tragisch und menschenverachtend Volksgruppe, Armut und Gesundheit miteinander verbunden sind.
Frau Liljana Gavur und ihr Ehemann Dragan Antic und ihre sechs Kinder zwischen einem und 18 Jahren sind Roma aus Serbien. Sie lebten dort unter unwürdigsten Zuständen, ohne Arbeit, ohne medizinische Versorgung. Die neunjährige Tochter Mariana hat seit ihrer Geburt eine Unterfunktion der Schilddrüse, wegen fehlender medizinischer Behandlung ist sie nun im Wachstum zurückgeblieben, ihre Schilddrüse arbeitet gar nicht mehr, sie bekommt hier jetzt Medikamente, wird aber ihr Leben lang kleinwüchsig bleiben. Ihr 3-jähriger Bruder hat eine operierte Fehlstellung seines linken Fußes, wir haben für November einen Termin in der orthopädischen Kinderklinik. Die Schwestern Gordana, 1 Jahr, und Aleksandra, sie ist 16 Jahre, haben beide einen Herzfehler, der behandelt werden muss. Heute bekam ich ca. 40 Seiten medizinische Gutachten in serbischer Sprache, für die ich nun eine bezahlbare Übersetzung suche, da die Krankenversorgung von Asylbewerbern nur „lebenserhaltende und schmerzstillende Leistungen" beinhaltet. Ich bin schon sehr froh, dass das Sozialamt Bentheim diese Regelung immer recht großzügig auslegt, aber diese Übersetzungen sind da nicht mehr tragbar.
Und ich verstehe die Beweggründe dieser Familie sehr gut, in einem Land leben zu wollen, wo ihnen ein Leben in Würde und Gleichberechtigung möglich ist, wo sie Zugang zu Schulen, Arbeitsmarkt und medizinischer Versorgung haben, wo sie eine Zukunftsperspektive für sich und ihre Kinder sehen.
Vier Kinder gehen zur Schule – resp. fahren mit dem Fahrrad.Für den 3-jährigen Nebojsza bemühe ich mich um einen Kindergartenplatz, das wäre so wichtig zum Erlernen der Sprache und dem Leben in einer Gruppe außerhalb der Familie.
Und immer wieder und immer noch suche ich Freiwillige, die Zeit und Hilfe zur Verfügung stellen und ein bis zwei mal wöchentlich Deutsch – Unterricht geben wollen, an wirklich Lernwillige, von Eltern bis zum Kindergartenkind, am Romberg oder am Wellkamp.
Rufen Sie mich an, wir machen dann einen Termin zum Kennenlernen! 05924 – 1237
Frieden, Schalom & Salam der ganzen Welt,
Jutta Külkens

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Oktober
Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!
(Tob 4,8)
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