Friedensgebet vom 07.02.

Von Jutta Külkens

Wieder war es eine Woche ohne Ergebnis der Friedensverhandlungen  in Oman, wo Vertreter der russischen Regierung mit ukrainischen Abgesandten reden, moderiert von Amerikanern, die sich so gerne als „Friedensstifter“ sähen. Und mir fällt keine Lösungsmöglichkeit ein, solange auch während der Verhandlungen geschossen wird und die Ukraine weiter in der Kälte zu erstarren droht. Wladimir Putin argumentiert mit sogenannten historischen Rechten auf Landesteile der Ukraine, was mir etwas unehrlich erscheint in dem Wissen, dass dort Bodenschätze vorhanden sind.

Genauso unehrlich klingt für mich Donald Trump, wenn er in Venezuela angeblich für die Wiederherstellung einer Demokratie Entführungen durchführen lässt, aber Zugang zu den dortigen gigantischen Erdöl-Reserven bekommen will.

Und die deutsche Bundesregierung lädt den neuen syrischen Machthaber Ahmed al-Sharaa nach Deutschland ein, einen Islamisten, der Syrien Minderheiten wie Kurden, Alawiten und Drusen verfolgt, genau wie unter seinem Vorgänger Assad.

Und Afghanistan mit seiner Regierung, die Menschen und Menschenrechte verachtet, wird wieder akzeptiert, um Menschen dorthin abzuschieben – die Proteste dagegen sind sehr leise.

Für mich am Allerschlimmsten sind aber die überhaupt nicht erwähnten Kriege und Unruhen wie zum Beispiel im Sudan. Dort kämpfen seit über zwei Jahren das Militär der „Sudan Armed Forces“ unter Abdelfattah al-Burhan gegen die paramilitärischen“Rapid Suppord Forces“ unter General Mohammed Hammadan Dagalo verbittert gegeneinander. Und die Bilanz könnte kaum verheerender sein! Der Sudan hat etwa 45 Millionen Einwohner, von denen jetzt fast 30 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, da sie ihr Land nicht mehr bebauen können. Auf der Flucht sind etwa 13 Millionen Menschen, davon 4 Millionen im Ausland. Und es kommt immer wieder auch zu sexualisierter Gewalt auch an Kindern. Das Kinderhilfswerk UNICEF registrierte vergangenes Jahr 224 missbrauchte Kinder durch Bewaffnete, die Dunkelziffer ist riesig. Es gibt ungezählte Tote, immer wieder werden durch Satellitenbilder Massengräber mit hunderten von Toten gefunden. Und wer nicht durch Waffen stirbt, der stirbt durch Krankheiten oder verhungert. Die von der UNO im Land eingerichteten Sozialstationen werden nur sehr knapp mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Medizin versorgt, seitdem die aktuelle amerikanische Regierung alle humanitäre Unterstützung gestrichen hat. Und „Ärzte ohne Grenzen“ kommen dort auch leistungsmäßig an ihre Grenzen.

Die Interesselosigkeit der hiesigen Öffentlichkeit ist erschreckend für mich – keine Nachrichten in Zeitung oder Fernsehen, auch nicht von Verfolgung in Myanmar oder im Kongo. Oder über die Seenotrettung Flüchtender im Mittelmeer.

Europa schottet sich ab, auch medial – als „Insel der Seligen“ – Zureise verboten?

Dorothee Sölle schrieb viele Texte, hier ein Auszug aus ihrem Gebet nach dem neunzigsten Psalm:

Was uns tausendjährig scheint und unaufhebbar

die blutige gewalt

ist die eine kurze nachtwache

auch tyrannen brechen erschöpft zusammen

wirtschaftskonzerne lösen sich auf

und das wissen unfehlbarer parteien

wird zu schnee von vergangenen jahr

es blühte die sklaverei und war profitreich

aber am abend eines tages verdorrt sie

es kletterten die Erträge der Rüstung bis in den himmel

aber dein zorn lässt sie zugrunde gehen

und dein grimm wird den geraubten wohlstand vernichten

unsere ausplünderung der armen machst du offenkundig

unsere gut verschleierten sünden stellst du ins licht

so fährt unsere zeit schnell dahin in angst vor der wahrheit

wir verbringen unsere jahre wie auf dem drogentrip

der umkippt zum horror ….

dreh dein angesicht zu uns gott

komm zu denen die nach dir ausschau halten

mach uns satt am morgen von deinem licht …..

deinen glanz steck den kindern ins haar

sei hell über uns

mach uns leicht

zu kommen und zu gehen

und hilf uns deine welt zu bewahren

und treib das werk unserer hände voran

die gute arbeit der befreiung.“

Diese Worte von Dorothee Sölle geben mir wieder Mut, dass auch das Elend in der Welt weniger wird. 

Und so wollen wir gemeinsam das Gebet der Vereinten Nationen sprechen:

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.

An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Gib uns den Mut, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen können.

Amen