Friedensgebet vom 14. Februar

Jetzt im Februar dauert der Krieg in der Ukraine schon 4 Jahre – und es ist weder ein Waffenstillstand noch Frieden in Sicht. Es gibt zwar wenigstens Gespräche zwischen Vertretern des angreifenden Russland und der sich verteidigenden Ukraine und es werden wenigstens Gefangene ausgetauscht, aber immer bleibt nur die Hoffnung auf Einsicht des Agressors, dass es ein Ende haben muss mit dem Leiden der ukrainischen Bevölkerung.

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ stand der erschütternde Bericht der Zeitungskorrespndentin Olivia Kortas aus Kiew, von dem ich hier berichten will:

„Für Freiheit frieren“, so titelt sie den Hilferuf aus dem eisigkalten Kiew.

„Ich bin in Kiew und mir ist bange. Ich meine damit nicht nur die Angst vor den Explosionen nachts, die die Wände erzittern lassen, die den Menschen alles nehmen, ihr Leben, das ihrer Liebsten. Oder die Sorge um die vielen Freunde, die schon Medikamente nehmen gegen Depressionen und in kalten, dunklen Wohnungen sitzen, die um ihre Alten fürchten oder um ihre Babys. In diesen Tagen, an denen das sonst so tapfere Kiew in Teilen kollabiert, wächst in mir die Furcht, dass die Worte, die wir aus der Ukraine inden Westen schicken, verhallen.

EUROPA MUSS AUFWACHEN

Neue Sanktionen verhängen. Taurus liefern. 1.000 mal gesagt und geschrieben.

Ich schreibe aus einer Stadt, die seit Wochen am Rande einer humanitären Katastrophe steht. Die jüngsten russischen Angriffe sorgen dafür, dass Hunderttausende Menschen ohne Heizung, ohne Strom und zeitweise ohne Wasser auskommen müssen. Viele leben in riesigen Wohnblocks. Ihre Aufzüge funktionieren nicht, alte Menschen mit Behinderungen, schwangere Frauen stecken zuhause fest, sind abhängig von Freunden, die ihnen Nahrungsmittel bringen. Sie können die Toiletten nicht spülen, nicht duschen. Die Pumpen, die ihre Gebäude mit Wasser versorgen, laufen nicht ohne Strom.

Wer jung ist und gesund, hat es weniger schwer, auch ich, schreibt die Journalistin. Weniger schwer heißt aber nicht gut. Dass Anstrengendste an einer ausgekühlten Wohnung ist, dass man sie nicht verlassen will. Man füllt, wenn man gerade Strom hat oder einen Gasherd, heißes Wasser in Wämflaschen. Zieht Jacken an. Rollt sich in Decken ein. Findet irgendwie einen Zustand, der sich aushalten lässt. Die Vorstellung, aufzustehen, sich in die steife,kalte Kleidung zu zwängen und raus zu gehen, scheint unerträglich. Man versucht zu arbeiten, doch die Kälte kostet Kraft. Am liebsten würde man nur schlafen.

Zukunft ist für Ukrainerinnen und Ukrainer nicht mehr planbar. Man flüchtet sich in das tägliche Überleben, was geht heute? Schon der nächste Tag ist schwer planbar geworden, wann gibt es Strom?

 Es ist überhaupt nur auszuhalten, weil alle einander helfen: Du kannst bei mir duschen, ich habe warmes Wasser! Und weil man sich selbst hilft. Leute erhitzen Ziegelsteine auf Gasherden und verteilen sie im Raum. Einige bauen ein Zelt auf ihrem Bett auf. – Und ja, man scherzt viel: über Depressionen und kaputte Föhne, über die Angestellten, die den Strom ab- und anstellen. Doch die Kosten dafür sind hoch: schlechtere Werte beim Arzt und schlechtere Ergebnisse bei der Arbeit. Manche trösten sich: An der Front gibt es auch keine Heizung.

Mich erreichen Fragen aus Deutschland: Woher nehmen die Ukrainer ihre Widerstandskraft? Und: Sind jetzt mehr Leute bereit, einen schlechten Deal zu akzeptieren, Hauptsache, es hört alles auf? Die Antworten hängen zusammen. Viele Menschen sind erschöpft, aber sie haben auch keine andere Wahl, als durchzuhalten und weiterzumachen. Die Allermeisten von ihnen stehen hinter ihrem Präsidenten und seinen Leuten.

Die Ukrainer frieren, aber sie sind frei. Sie können ihre Sprache sprechen, können lesen und schreiben, was sie wollen, können protestieren gehen. Sie halte unmenschliche Zustände aus, um all das bewahren zu können. Dafür wollen sie nicht bewundert werden, sie wollen unterstützt werden, dass es endlich besser wird.

Darum: zum 1.001. mal:  EUROPA MUSS AUFWACHEN  Neue Sanktionen verhängen, Taurus liefern.“

Dazu der Psalm 142, 

ein Hilferuf aus schwerer Bedrängnis, von David, als er in der Höhle war:

Ich schreie zum Herrn mit meiner Stimme

ich flehe zum Herrn mit meiner Stimme,

ich schütte meine Klage vor ihm aus und zeige ihm meine Not.

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst Du doch meinen Pfad.

Sie legen mir Schlingen auf den Weg, den ich gehe.

Schau zur Rechten und sieh: da will mich niemand kennen.

Ich kann nicht entfliehen, niemand nimmt sich meiner an.

Herr, zu Dir schreie ich und sage:

Du bist meine Zuversicht, mein Teil im Land des Lebendigen.

Hör auf meine Klage, denn ich werde sehr geplagt.

Errette mich vor meinen Verfolgern, denn sie sind mir zu mächtig.

Führe mich aus dem Kerker, dass ich preise Deinen Namen.

Die Gerechten werden sich zu mir sammeln,

wenn Du mir wohl tust.

Wir wollen anschließen mit dem Gebet der Vereinten Nationen:

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.

An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen „Mensch“ tragen können.

Amen