von Jutta Külkens
In der Zeitschrift „Publik Forum“ las ich vor ein paar Tagen einen Bericht über die „Abrahamic Reunion“, eine interreligiöse Organisation, die die verschiedenen Glaubensgemeinschaften im Nahen Osten, die ihre Wurzeln im Glauben an den Gott Abrahams haben, zusammen als Kinder Abrahams versteht. „Abrahamic Reunion“ bedeutet Wiedervereinigung aller Religionen mit einer gemeinsamen Basis.
In der Zeitschrift berichtet eine Frau aus dieser Organisation über ihre Erfahrung mit einer Gruppe junger Menschen, Juden, Muslime, Drusen und Christen, die sie in ihrer Heimatstadt Wetzlar kennenlernte.
Sie hatte gemeinsam mit ihrem Mann Spendengeld gesammelt, um 12 jungen Menschen den Besuch eines Seminars in Deutschland zu ermöglichen. Davon berichetet sie:
„Unter dem Titel „From pain to peace“/ (Von Leid und Schmerz zum Frieden) luden wir junge Menschen ein, sich hier in Ruhe zu begegnen und nachzudenken über alles, was sie seit dem Massaker vom 7. Oktober erleben mussten. Begleitet wurden sie von einem Rabbi und zwei muslimischen Geistlichen. Wir tagten in den Räumen der Wetzlarer Kreuzkirche und übernachtet wurde bei Gastfamilien.
Es war eine aufregende Woche voll tiefgehender Gespräche und Auseinandersetzungen. Mein Mann Björn und ich sind Psychotherapeuten und konnten so auch seelische Verletzungen ansprechen. Gegenseitig haben sich die Teilnehmer von ihren Ängsten und ihrer Trauer erzählt. Sie haben geweint, aber auch getanzt, gelacht und gefeiert. Beim Besuch einer Moschee haben alle gemeinsam gebetet. – Das alles wäre in Israel nicht möglich gewesen, sagte ein junger Palästinenser beim Abschied.
Zurück in Israel werden sich die jungen Leute wieder treffen, um die gemeinsamen Erfahrungen im Alltag umzusetzen und zusammen für Frieden einzustehen. Ich bleibe in Deutschland zurück, bin aber weiter mit dem Herzen bei ihnen und werde sie auch weiter unterstützen.“
So beschreibt die Organisatorin Sarah Rech dieses Erlebnis einer beginnenden Annäherung von jungen Menschen aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften auf ihrem Weg zu einem friedlichen Leben miteinander.
Es ist schön, immer wieder von solch kleinen Initiativen zu hören oder lesen, die mit kleinen Schritten auf ein friedlicheres Miteinander hin wirken.
Und ich wünsche so sehr, dass auch zwischen der Ukraine und Russland solche Schritte möglich werden, dass Zerstörung und Tod ein Ende haben. Wenn ich jetzt von der schrecklichen Kälte höre, unter der die Menschen in der Ukraine leiden müssen, weil ein größenwahnsinniger Mensch sie aus ihrer Heimat vertreiben will, um diese in Besitz zu nehmen, dann denke ich voller Bewunderung an die Frauen, die ich kürzlich hier traf. Die sich ausbilden lassen zu Feuerwehr-Frauen, die helfen wollen, ihre Heimat vor der totalen Zerstörung zu bewahren – so mutig und selbstverständlich!
In Gedanken an sie, wie auch an die Jugendlichen aus Israel – ob Juden, Muslime, Drusen oder Christen, die die erfahrene Gewalt nicht weiter vererben wollen, die mit uns allen an den einen Gott glauben, der die Tränen zur Zeit trocknen wird, wollen wir hier gemeinsam das alte Gebet der Vereinten Nationen sprechen:
Herr, unsere Erde ist nut ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen können.
Amen
